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| bastard operator from hell | ||
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Heute der Geschäftsführer, morgen der Aufsichtsrat!
Der PJ und ich langweilen uns, als ein Kerl aus der Personal-Abteilung und der Chef in unser Büro kommen, der sehr nervös wirkt. "Äh ... Könnten sie, äh, etwas Zeit entbehren?" fragt der Chef. "Es geht um eine Beratung über Disziplinarmaßnahmen, bei der wir sie gern sehen würden ..." "Worum auch immer es geht, wir sind unschuldig!" geht der PJ in Verteidigungsposition. "Wir haben den GANZEN Morgen über an den Rechnern gespielt und E-Mails gelesen - das ist alles auf Video festgehalten, sie können es sich anschauen!" "Was? Nein, nein, darum geht es gar nicht ... ähm - wir brauchen sie nur als Berater, da es um ein paar Beschwerden geht, die in ihr Fachgebiet fallen. Und da wollte der Disziplinar-Ausschuß sie darum bitten, ihm mit ihren ... speziellen Talenten zur Seite zu stehen." Die Schleimspur ist kaum zu übersehen ... "Oh!" rufe ich. "Natürlich helfen wir gern! Was sollen wir denn tun? Ein paar Verhöre im Keller mit dem Gummischlauch, Hühnerfett und einem hungrigen Dobermann oder nur ein paar 'Tritte in den Hintern'-Lektionen, um ein Geständnis zu bekommen - etwas in der Art?" "Was?!" hechelt der Typ aus der Personal-Abteilung. "Nein", zwitschert der Chef. "Es geht eher um technische Aspekte verschiedener Beschwerden, die verstärkt auftreten. In einem Fall geht es dabei um die Wahrung höchster Diskretion ..." "Diskretion ist mein zweiter Vorname!" freut sich der PJ. "Ich dachte, er lautet Kretin", korrigiere ich ihn. "Das ist doch nichts anderes." erwidert er. "Nun, WIE AUCH IMMER", fahre ich fort. "Wir versichern, daß wir den Fall mit der angemessenen Diskretion behandeln werden." Und nachdem ich den Speicher für Ton-Aufnahmen meines PDAs gelöscht habe, sind wir auf dem Weg zu der versprochenen Hexenjagd. ... Wir betreten das Sitzungszimmer, in dem ein paar Anzugtypen sitzen, die offensichtlich zum Aufsichtsrat gehören, während ein paar andere das schmierige Aussehen von Anwälten haben. Ich wittere eine Intrige ... "Dann wollen wir also einmal mit den Indizien in einem verdächtigen Ereignis beginnen, das in der vergangenen Woche gemeldet wurde", legt der oberste Hai los. "Am Mittwochmorgen oder kurz davor bzw. danach wurde eine E-Mail, deren Absender in der höheren Geschäftsführung tätig zu sein scheint, an eine Untergebene geschickt, die unerwünschte sexuelle Anspielungen enthielt. Die verdächtige E-Mail wurde angeblich zurückgewiesen, worauf eine zweite verdächtige E-Mail eintraft, die den gleichen Inhalt hatte wie die erste. Diese zweite Nachtricht ..." "VERDÄCHTIGE Nachricht", ergänzt der PJ hilfsbereit. "Ja, diese VERDÄCHTIGE Nachricht wurde ignoriert, worauf eine dritte VERDÄCHTIGE E-Mail eine Stunde später bei der Empfängerin eintraf, deren Inhalt wiederum dem der ersten beiden entsprach. Darauf erfolgte eine Beschwerde bei der Geschäftsführung. Trotzdem wurden weitere verdächtige E-Mails empfangen, was zu einer weiteren Beschwerde führte. Diese Besprechung soll dazu dienen, herauszufinden, ob diese E-Mail tatsächlich abgeschickt wurde, von wo sie abgeschickt wurde, wer sie abschickte und ob ihr Inhalt tatsächlich Anlaß zu einer Beschwerde bietet." "Genügt es nicht, einfach den vermutlichen Absender zu befragen?" "Wir sprachen mit dem Anwalt des möglichen Absenders", erklärt der Ober-Hai und deutet auf einen stillen Anzugträger in der Ecke. "Wegen einer Verwechslung von Medikamenten kann sich der Verdächtige nicht mehr vollständig an die Abläufe erinnern." "Medikamente?" fragt der PJ nach. "Ja. Ein Kräutergetränk, das ein anerkannter Naturheilkundler empfohlen hat." antwortet der stille Anzugträger. "Ein gegorenes Kräutergetränk?" "Das ist möglich." "Also war er betrunken bei der Arbeit!" schließt der PJ messerscharf. "Nun, sein Auftreten wirkte irgendwie beeinträchtigt, was sicher durch die Nebenwirkungen des Medikaments hervorgerufen wurde. Doch das ist noch kein Beweis dafür, daß er verantwortlich ist für die Vorgänge, über die die Beschwerden vorliegen - jemand könnte den Zustand des Betreffenden ausgenutzt haben ..." "Nun", unterbreche ich. "Darf ich hier einspringen? Zunächst: An welche E-Mail-Adresse wurden die Nachrichten denn eigentlich geschickt?" "Verdächtige Nachrichten", ergänzt der PJ erneut. "Allerdings ..." Ich bekomme die Antwort, und schneller als man es beschreiben kann, sehe ich das 80.211 Byte große Protokoll des E-Mail-Servers auf meinen guten alten PDA und habe es durchforstet. "ALSO, die E-Mail wurde abgeschickt vom Rechner des Geschäftsführers." "Sind sie sicher?" fragt der Ober-Hai. "Natürlich." "Und hat er sie auch abgeschickt?" "Wenn er es nicht war, dann muß es jemand getan haben, der sein Passwort kennt, obwohl er vor ein paar Wochen forderte, daß wir 'Verschlüsselung und Authentizitäts-Mechanismen, was immer das auch ist' installieren, weil er irgendwo gelesen hatte, daß das wichtig sei ..." "Ohh. Wollen sie damit andeuten, daß alles so aussieht, als sei eine andere Deutung unmöglich?" "Ja, die Sache ist so offensichtlich, als hätte man ihn mit einer Hand voller Kondome und einer 50er Packung Rohypnol gesehene ..." "Herz-Medizin!" wirft der blasse Anzug schnell ein. "Unter ärztlicher Aufsicht eingenommen!" Es wird immer besser ... "Lassen sie mich zusammenfassen, worum es geht - er kam in Oliver Reed-Manier zur Arbeit, ließ sich in E-Mails zu anzüglichen Äußerungen hinreißen, fiel dann berauscht in tiefe Depressionen, so daß er am nächsten Morgen Aufputschmittel nehmen mußte. Und das wollen sie verbergen." "Ich glaube nicht, daß sie sich ein solches Urteil erlau ..." "Unter uns eigentlich doch." widerspricht der Chef-Hai. "Also geht es hier tatsächlich um eine außergerichtliche Vereinbarung unter drei Beteiligten im vierstelligen Bereich." "Drei?" "Ja. Für die Beschwerdeführerin - wegen des Ärgers und der Aufregung; und jeweils einen für meinen Assistenten und mich." "Warum wollen sie bezahlt werden??" "Das ist doch ganz offensichtlich - damit wir die Protokoll-Dateien so ändern, daß sie nicht mehr als Beweis ..." "Es ist also möglich, den wahren Absender der E-Mail zu verbergen?" "Für einen Hunderter extra können sie sogar einen Kandidaten ihrer Wahl als Absender nominieren ..." Ein halbe Stunde später ist der Handel abgemacht, sind die drei Schecks unterschrieben. Kein schlechtes Honorar für die Beratung. Natürlich bekommt die Sekretärin des Geschäftsführers die Hälfte unseres Anteils, hatte sie doch die Idee und mischte die Drogen unter den Salat ihres Chefs, doch trotzdem ist die Beute nicht übel. Heute der Geschäftsführer, morgen der Aufsichtsrat! |
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© Simon Travaglia, 07.11.2002, Übersetzung: thomas w., 2003. |
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